Der Berliner Künstler Klaus Decker untersucht in seinen Bild-Werken - der Begriff Bild wäre hier
verkürzt - Randgebiete der Malerei. Jedwede Ähnlichkeit mit dem klassischen Tafelbild ist beabsichtigt.
Doch die Materialien der Bildträger (MDF oder Sperrholz) sowie die motivischen und technischen Elemente
sprechen eine andere Sprache und überschreiten die Grenzen herkömmlicher Malerei ebenso wie sie den
traditionellen Bildaufbau hinterfragen, konterkarieren und durchkreuzen.
So verweist der Titel der Serie CHI zum einen auf eine chinesische Energieform, zum anderen lässt er
ebenso den griechischen Buchstaben X anklingen, was im chiastischen Aufbau der Tafeln noch einmal
unterstrichen wird. Während sich jedoch im X die Geraden schneiden, wird Deckers Serie von Parallelen
bestimmt, die sich wahrscheinlich nicht einmal im Unendlichen berühren. Was sich hier kreuzt und überschneidet,
vollzieht sich im Blick des Betrachters, der den Farb- und Formrhythmus als eine relative Spiegelung wahrnimmt.
Die formale Aufteilung in zwei mehr oder weniger identische Energiefelder wird von einer Schattenfuge verbunden,
von der aus die Diagonalen im Geiste einen kontrapunktischen Klang anstimmen.
Schon mit der Wahl seiner ungewöhnlichen Formate folgt der 1954 geborene Künstler stets einer Feinabstimmung
hinsichtlich des Bildinhalts: extreme Querformate, die den realen sowie den imaginären Raum durchdringen;
Rahmen, deren Maße sich zur Motivgröße stark überdimensioniert verhalten, treiben zusammen mit der
Materialität, der Form und der Farbe überraschende Vexierspiele mit der Wahrnehmung. Oder schickt
selbige in der Serie »Pater Noster« auf eine Fahrt, die ebenso spannungsreich wie witzig
durch die vielschichtigen Ebenen des Bild-Raum-Zeit-Gefüges führt.