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Ausstellung Reinhard Dickel und Klaus Fußmann«
Werke 1978 bis 2008
19. Juli bis 6. September 2008
"Farbe – heftig gebraucht" ist ein Text zu Bildern von Reinhard Dickel betitelt,
den der Kunstsoziologe und Ästhetik-Professor Hermann Wiesler 1991 verfasst hat.
Bis heute zieht sich dieser impulsive ‘Gebrauch’ als Konstante durch alle Phasen
im Oeuvre Reinhard Dickels hindurch, scheint das leidenschaftliche Staccato seine
ureigene Ausdrucksart mehr zu sein als der bedächtig kontrollierte Farbauftrag.
Das betont Gestische seiner Malerei zeigt sich bereits in den frühen Arbeiten,
die bei aller Abstraktion eine realistische Auffassung, entfernte Landschaften
noch erkennen lassen. Ende der 1980er-Jahre erfährt der Gestus Dickels dann eine
expressive Steigerung, die dem lustvollen Ausloten von Farbstimmungen den absoluten
Vorrang gibt. Der Bildraum wird eindeutig zweidimensional, bestimmt allein von
der Farbe und vom eruptiven Duktus des Malers.
Nicht zuletzt die großformatigen Bilder lassen bisweilen an wahre Farbschlachten denken.
Ihre intensive Spannung erzeugt Dickel, in dem er den ungestümen Pinselhieben meist
ruhige, gedämpfte Farbtöne als eigenwillig harmonischen Kontrast entgegensetzt.
Wenn in dem 1999 entstandenen "Ohne Titel (Kantstraße)" die heiter und
zart gestimmte Palette von Pink bis zu tiefem Violett von einer geradezu stürmischen
Malweise bestimmt wird, verlässt Dickel jegliche illusionistische Perspektive,
scheinen Farben und Formen aus den Tiefen des Bildraumes auf die Fläche der
Leinwand zu drängen. "Das Bewusstsein, eine Bildebene vor sich zu haben,
bleibt unangetastet", wie Hermann Wiesler es in dem eingangs erwähnten
Essay auf den Punkt gebracht hat.
Wiewohl Dickels Farbpalette in den neueren Bildern heller und leuchtender geworden ist,
kreisen sie weiterhin um die Befragung tradierter Bildordnungen und Hierarchien.
Wenn wir bisweilen das "Fenster zur Welt" oder den landschaftlichen
Horizont zitiert sehen, so verrückt Reinhard Dickel die bildnerischen Elemente
stets gerade so, dass ein Augenzwinkern bleibt - der Rest ist Farbe.
Ausstellung Reinhard Dickel und Klaus Fußmann
18. Mai bis 20. Juli 2002
Klaus Fußmann in Berlin vorzustellen, hieße Eulen nach Athen zu tragen.
Dennoch präsentiert die Ausstellung mit Arbeiten aus den vergangenen fünf
Jahren eine künstlerische Entwicklung, die bislang in der Stadt so noch nicht zu sehen war.
Die Sujets sind die vertrauten, unerschöpflichen Landschaften, vornehmlich des hohen Nordens,
Eindrücke vom Meer und Blumenmotive. Doch hat sich der Blick des Künstlers einmal mehr
konzentriert.
Jedes Kornfeld, jede Waldlichtung, jeder Horizont wird zum Exzerpt des Wesentlichen.
In der Reduktion dieser Veduten transformiert Fußmann die Farbe zum Träger landschaftlicher
Strukturen, die im wortwörtlichen Sinne hervorstechen. Der Duktus der Ölbilder ist reliefartig
gesteigert, ohne dabei an spontaner Ausdruckskraft zu verlieren.
Die Natur entfaltet ihre Schönheit und Pracht, vor allem aber offenbart sie ihren rauen Charakter,
der an den pastosen Farbschichten gleich schroffen Klippen aufbricht. Realität und Dinglichkeit
entzünden sich nurmehr an den Titeln.
Der Rest ist Farbe.
Auch bei Reinhard Dickel steht die Farbe im Zentrum des Schaffens.
Der expressive Gestus spielt mit ihren dynamisch-abstrakten Klängen und
führt in Welten jenseits des konkreten Raumes. Leicht getupfte oder
gespachtelte Farbflecke schweben vor dunklen Fonds und kontrastieren
zart gestimmte Töne mit leidenschaftlich schwarzen und grauen Valeurs.
Die Ölfarbe als bevorzugtes Medium variiert der 1951 geborene Künstler
von opaker, fein organisierter Flächigkeit bis zu lasierter Fragilität,
die das Spiel von Werden und Vergehen hinterfragt, ohne Antworten vorzugaukeln.
Heftig gesetzte Pinselhiebe loten den imaginären Raum als Farbgewitter aus,
legen Fährten purer Phantasie, die den Rhythmus von Innen und Außen zu
widerstreitenden Polaritäten vereinen. Die Gesetze der Perspektive werden
erinnert, gerade in dem Dickel sie auflöst, überwindet und zu einem lodernden
Spiel der Gedanken und Sinne forciert. Grüne Flammen drängen sich vor leuchtendes
Gelb oder schlagen gerade eine Schneise zum reinen Licht der Sonne; klären die
giftigen Nebelschwaden oder legen einen schützenden Schleier vor die Morgenstimmung.
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