Sehr geehrte Damen und Herren,
wir freuen uns sehr, die erste Einzelausstellung von Franticek Klossner in Berlin zu präsentieren.
Als Performance-, Video- und Installationskünstler stellt der 1960 geborene Schweizer die Grenzen
zwischen Interaktion und Interaktivität in der Kunst neu zur Disposition und Diskussion.
Sein Credo: "My Body is a Touchscreen!" verweist einerseits auf das künstlerische Selbst als
Ausgangsbasis und zielt andererseits auf das unmittelbar Dialogische von Kunstwerk und Betrachter.
Dabei wandelt Klossner mit bestechender Virtuosität zwischen traditionellen, neuen und neuesten Medien,
verwandelt und erweitert ihre Möglichkeiten: Von der öffentlichen Tätowierung "Me veras si me piensas"
am Schweizerischen Institut in Rom (1998) oder der Video-Performance in X-Ray-Durchleuchtung in der
Kunsthalle Bremen (1999) bis zur interaktiven Video-Installation "Appell und Rapport", die in der von
Peter Weibel 2003 in Graz kuratierten Ausstellung "M_ARS Kunst und Krieg" ebenso zu sehen war wie im
Jahr zuvor bei Christoph Vögele im Kunstmuseum Solothurn zum Thema "Zeitgenössische Wandmalerei".
Seit 1991 arbeitet Klossner mit in Eis gefrorenen Selbstportraits, die sich als Skulptur im Raum
allmählich auflösen oder in Installationen durch das Tropfen des Wassers zu bizarren Veränderungen
projizierter Bilder führen. Dann wiederum erscheint das Selbst hundertfach als "Gedanken-Archiv",
das in einer Kühlkammer bei Minus 20 Grad aufbewahrt wird.
Die Ausstellung "... was bleibt, wenn der Kopf schmilzt?", kuratiert von Michaela Nolte,
versammelt aus verschiedenen Serien der "Melting Selves" eine Skulptur und Objekte sowie
Fotografien und Videos, die den Schmelzprozess und die Wandlung auf faszinierende Weise
widerspiegeln: vom kompakten Eiskörper zur diaphanen Büste über das Stadium abstrakter
Objekthaftigkeit bis zur Vergänglichkeit.
Ein weiterer Teil der Ausstellung ist neuen Zeichnungen gewidmet. Mit wenigen, markanten
Bleistiftstrichen pointiert Franticek Klossner Alltagsgeschichten aus dem leibhaftigen Kulturbetrieb.
Die Blätter wie "Die Videokünstlerin projiziert ein Video auf Haralds Bart" oder "Virilio erklärt
Lischka die Dromologie" basieren allesamt auf alltäglichen Begegnungen und spontanen Aktionen, die
Klossner seit 2001 aufzeichnet und in seinem Video-Archiv sammelt. Als Zeichnung formieren sie sich
im Raum zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen liebevoller Ironie und zerstörtem Ideal.