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CORINNA ROSTECK
"Halensee" - neue Fotografien
20. Januar bis 3. März 2007
Wir freuen uns, mit "Halensee" die nunmehr dritte Einzelausstellung von Corinna Rosteck
in der Galerie Mönch zu präsentieren. Nach "whirl and wake" (2001) und "Aqua Alta" (2003)
ist die in Berlin lebende Fotografin dem Wasser als ihrem bevorzugten Thema auch dieses Mal
treu geblieben. So wie die Motive rund um das feuchte Element kreisen,
um sein ständiges Fließen und Bewegen, so rufen auch die Arbeiten von Corinna Rosteck
eine Bewegung hervor, wie man sie im fotografischen Bild nur selten erlebt.
Während in den Arbeiten auf Metallfolien - mit denen Corinna Rosteck seit Ende
der 1990er-Jahre experimentiert - die Bewegung durch das Zusammen-spiel von Material
und äußerem Lichteinfall entsteht, stehen die neuen Arbeiten ganz im Zeichen der Farbe,
wofür die 1968 geborene Künstlerin dann auch auf ganz 'normales' Fotopapier zurückgreift.
Rosteck gewinnt der Farbe strukturelle Qualitäten ab, die bisweilen an die Technik
des Aquarellierens denken lassen oder aber in ihrer Dichte an die Farbraumkörper
Gotthard Graubners erinnern.
Dabei bleiben die Arbeiten, indem sie von einem realen Ort als motivische
Grundlage ausgehen (dem Halensee, einem kleinen Gewässer im Berliner Bezirk Grunewald),
doch ganz Fotografie. Die Wahrnehmung wird auf eine konkrete Realität gelenkt,
wobei die Ansichten des Sees nicht im Abbildhaften verharren, sondern all das,
was das Element Wasser in seinen unterschied-lichen Facetten ausmacht,
sehr lebendig und poetisch widerspiegeln: die Leichtigkeit, wenn Wasser
in Form von Luft aufsteigt; das Geisterhafte, wenn Nebelschwaden den See
scheinbar zum Kochen bringen; die Faszination, aber auch die Gefahr, die
von einer kraftvollen Strömung ausgehen können; bis zu den Regentropfen,
deren Plätschern auf der Wasseroberfläche kleine Erschütterungen auslösen
und die Beschaffenheit des Wassers plötzlich ins Krustige und Erdige verwandeln.
Zur Ausstellung erscheint eine Katalogbroschüre mit einem Text von Michaela Nolte,
die die Ausstellung auch kuratiert hat.
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CORINNA ROSTECK
»Aqua Alta«
Galerie Mönch, 13. September bis 25. Oktober 2003
In ihrer viel beachteten Ausstellung
»Whirl & Wake«
im Jahre 2001 lautete eine häufig gestellte Frage: »Taucht
sie auf oder geht sie unter?«. Schemenhaft wird eine Frau vom
Strudel des Wasser wie von einem Magnetfeld angezogen und abgestoßen,
den Wonnen des kühlen Nass gibt sie sich ebenso hin wie seinen Gefahren.
Auch die neuen Arbeiten von Corinna Rosteck umkreisen das Wasser als
ewiges Faszinosum und als Naturgewalt, worauf der Ausstellungstitel nicht
nur im Bezug auf das »Acqua alta« Venedigs anspielt, sondern
ebenso mit der wortimmanenten Tiefe und Ambivalenz des Elements.
Der Mensch rückt in den Serien »Grado« und »Opolare«
gänzlich aus dem Kameravisier. Das Wasser selbst und mehr noch das Bild als
Solitär sind die Hauptfiguren einer Inszenierung, die Rosteck allein aus der
akribischen Fokussierung des Details gewinnt.
Der Ausschnitt wird zur Bühne eines rätselhaften Mikrokosmos, der Schönheit und
Risiko vereint.
Blicken wir aus sicherem Abstand von oben auf diese Welt oder
sind wir mit »Faust« längst schon zu Grunde gegangen, weil wir allzu
sehr am Augenblicke festhalten? Leuchtet der Himmel so blau, weil wir ihn nur noch
aus der Schattenwelt betrachten oder ist er selbst bereits versunken in den Untiefen,
nur mehr ein letzter Reflex an der Oberfläche?
Corinna Rosteck lotet in ihren Fotografien und durch ihre enorme Experimentierfreude
immer wieder den Grat zwischen der reizvollen Oberfläche des Mediums und der dem Motiv
innewohnenden, untergründigen Reflexion aus.
War das dynamische Moment des Wassers in »Whirl & Wake« farbig und formal
auf die kühle Ruhe der Metallfolien und die pointillistischen Farbtupfer der Leuchtkästen
konzentriert, unterstreicht Rosteck nun mit dem Iris-Print-Verfahren das malerische Gefüge
ihrer Fotografien. Die raue Beschaffenheit des Büttenpapiers und die koloristische Tiefe
verleihen den Fotografien faszinierende, piktoriale Qualitäten.
Man glaubt bisweilen den Pinselstrich und eine Handschrift der Malerin zu erkennen,
und gleichzeitig bleibt der dokumentarische Charakter der Fotografie latent vorhanden:
als Erinnerung an eine Welle, an einen gespiegelten Baum oder an eine Boje.
Von der Oberfläche, die Corinna Rosteck »so versiert wie elaboriert in ihre Kunstwerke
überführt« (Ronald Berg), gehen diese Bilder direkt unter die Haut.
»Aqua Alta«
CORINNA ROSTECK
»Whirl & Wake II«
Whirl and Wake - Fotografie
Strudel und Kielwasser fordert heraus über das Ein-tauchen, Unter-tauchen,
Auf-tauchen nachzudenken; jene Schwimmbewegungen, die ein Taucher einsetzt,
um von der Oberfläche nach unten oder zur Oberfläche zurück zu schwimmen.
Im Tauchen liegt der Wunsch die Tiefe zu ergründen. Das Vorhaben ist bekanntermaßen gleich
schön wie gefährlich. Um so mehr war der Wunsch nach dem Vordringen in die Tiefe vorhanden.
Wie gefährlich es unter Wasser ist, hat Schiller in der Ballade »Der Taucher«
wortreich und dramatisch geschildert. Die Ballade hat eine folgerichtige Handlung vom Jüngling,
der in die Tiefe taucht und wieder aufsteigen kann, der vom König zum zweiten Mal herausgefordert
wird, wieder hinabtaucht und nicht wieder auftauchen kann.
Das ist die Handlung, die von der Erkenntnis getragen wird:
»Da unten aber ist's fürchterlich, und der Mensch versuche die Götter nicht und
begehre nimmer und nimmer zu schauen, was sie gnädig bedecken mit Nacht und Grauen.«
Folgerichtige Handlung und moralische Aussage sind zwei Komponenten, die im
21. Jahrhundert nicht mehr künstlerisch gestaltet werden. Es gibt zwar noch
die Darstellung des Menschen, die männliche Taucherfigur wird bei Corinna weiblich
besetzt, aber sie ist nicht mehr in einer folgerichtigen Handlung abgebildet, sondern der
Inhalt sind die Bilder selbst.
Wir erleben eine Inszenierung, deren Hauptdarsteller die Bilder sind. Die Bedeutung, die
Corinna Rosteck dem Bild beimisst, geht daraus hervor, dass sie dem Betrachter Zeit lässt,
es zu betrachten.
Beschäftigen wir uns näher mit diesem Phänomen, warum wir in diesem Videofilm Zeit haben,
einzelne Bilder betrachten zu können.
Corinna Rosteck kommt als Malerin vom singulären Bild. Denken Sie zurück an die vielen
Strophen von Schillers Ballade: Gibt es in diesen Zeilen einen Stillstand? Ein »Still«
würden wir heute sagen? Oder denken sie an Heinrich Heines Gedicht von der Loreley »
Ich glaube, die Wellen verschlingen, am Ende Schiffer und Kahn«.
Das Thema Strudel und Kielwasser beinhaltet die Bewegung und lässt sich nicht im Einzelbild
festhalten.Die Bewegung des Wassers abzubilden ist für jeden Filmregisseur, für jeden
Kameramann eine Herausforderung.
Wenn Sie sich an einen Kinofilm oder die Sportschau im Fernsehen mit durchschnittlich
15 Bildern pro Sekunde erinnern, zeigt Ihnen der Film die Abfolge der Wellenbewegungen
in sovielen Einzelbildern, wie sie das menschliche Auge unbewusst wahrnehmen kann.
Bei Corinna Rosteck geht es um die Inszenierung von Bildern einer Fotografin. Daher mein Statement:
Es ist so faszinierend, weil Bilder fehlen. Lassen Sie sich auf den Sound und den Rhythmus dieser
Inszenierung ein.
Betrachten Nähe und Ferne, Plastizität und Transparenz, Zentrum und Peripherie, Schatten und Licht.
Dann sind Ihnen die fehlenden Bilder eine Erleichterung in die Tiefe der vorhandenen Bilder
»einzutauchen«.
Und das ist das Happy End meiner Diving Lesson: Tauchen Sie ein, ohne Brille und Schnorchel,
Augen auf, es fließen Ihnen die Bilder von Corinna Rosteck in die Augen. Was könnte besseres
geschehen?
Felicitas Reusch, Wiesbaden, Februar 2001
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