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Ausstellung anlässlich des 10. Todestages

Ausstellung: 20. Oktober bis 10. November 2007


Anlässlich des 10. Todestages möchten wir mit einer Auswahl an Höhepunkten sowie bislang unveröffentlichten Fotografien an Rainer Maria Schopp erinnern.

Schopps Fotografien rücken das Beiläufige ins Zentrum und sensibilisieren für die verletzlichen Schichten hinter den schroffen Fassaden - der Stadt ebenso wie der Menschen.

Sein Blick war geprägt vom Lebensgefühl im Berlin der 1970er- und 80er-Jahre. Aufgewachsen im behüteten Westteil, machte sich Schopp mit seiner Kamera in die Randzonen auf. Dahin, wo sich die Mauerstadt wenig repräsentativ gab. Ein Fundus natürlich auch die neuen Bundesländer, die in den frühen 1990er-Jahren noch ganz den morbiden Charme der DDR trugen.

In diesen Bildern einer ungeschönten Realität - die er aber ebenso in den USA oder in Skandinavien fand - werden die Spuren des Verfalls zu Sinnbildern eines sehr eigenen "Schönen". Rätselhafte Zeichen und Kommentare im öffentlichen Raum, skurrile Hinterlassenschaften in Winkeln und an Häuserwänden. Erzählungen von Menschen, die sich von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen fühlen, rücken die Fotografien in ein unvoreingenommenes Licht: Plötzlich erscheinen sie als malerische Momente oder grafisch reizvolle Strukturen.

In Schopps klassischen Schwarzweißfotografien erscheint uns diese Welt, aus der heutigen Sicht einer bunten Spaßgesellschaft, sehr weit entrückt, fast schon vergessen. Seine eindringlichen und tiefenscharfen Momentaufnahmen halten die Erinnerung an diese Wirklichkeit, die so fern gar nicht ist, wach. Die Fundstücke von der gesellschaftlichen Peripherie setzen das Verweilen - auch beim scheinbar Banalen - gegen die Flüchtigkeit.



Stadt-Land-Schaft

Ausstellung 9. September bis 14. Oktober 2000


"Der Zyniker trägt das Brett nicht vor dem Kopf, sondern vor dem Herzen", heißt es bei Karl Kraus.
Die Fotografien Rainer Maria Schopps muten in ihrer schroffen Ironie bisweilen zynisch an: ein Plattenbau mit großer Werbeaufschrift FÜR DICH, ein Einbeiniger hinkt auf Krücken an einer SCHUHMACHEREI vorbei, eine Frau im Rollstuhl sieht einem fahrenden Zug hinterher. Doch die Sichtweise des Fotografen war stets von einer Empathie erfüllt, die das sprichwörtliche Brett zu lockern suchte - zuerst vom Kopf und den Augen und dann natürlich auch vom Herzen.
Der 1950 in Berlin geborene Grafiker und Fotograf verwandelte den grauen Schleier der Alltags mit seinem glasklaren Blick in schwarz-weiße Kompositionen, die den Vorhang des Banalen öffnen und ungeschönte, aber umso bewegendere Lebensmomente zum Vorschein bringen. Schopp gewann der "kunstlosen Wirklichkeit" (Karl Pawek) das Moment einer wirklichen Kunst ab.
Im Zentrum seiner puren, in klassischer Tradition gearbeiteten Fotografien steht der Mensch. Auch in denjenigen Bildern die abstrakte und bisweilen malerische Strukturen aufweisen, geht es immer um Spuren und Kratzer, welche Menschen oder mithin das Leben hinterlassen haben. Je menschenleerer eine Landschaft, umso mehr steigern der Blickwinkel und die Perspektive der Fotografie das Bewußtsein einer - längst vergangenen - Anwesenheit des Menschen.
In den Grauzonen der Stadt erinnern Details von Hauswänden an Gemälde von Franz Kline, rostende Türfragmente tragen den Duktus des Informel. Verlassene Industrieanlagen entfalten mit ihren verwitterten Fassaden eine bizarre Schönheit; ein toter Efeustrauch rankt wie eine zarte Fontäne an einer Mauer hoch und neigt sich im grazilen Schwung gleich wieder der Erde zu.

Nach seinem Tod im Jahre 1997 hat Rainer Maria Schopp ein ebenso reiches wie spannungsreiches Konvolut an Fotografien hinterlassen, das es noch zu entdecken gilt.



Die Beobachtung des Zufalls

Ausstellung: 3. Oktober - 31. November 1998

Die Fotografien von Rainer Maria Schopp, die er zu seinen Lebzeiten nur selten öffentlich präsentiert hat, werfen einen Blick von eigenwilliger Poesie auf das geteilte Berlin der 80er Jahre. In den 90ern fangen sie das Lebensgefühl der von Umbruch und Unsicherheiten geprägten Post-Wendezeit ein, deren morbider Charme kontrastierend zur Nonchalance des Crossover der 90er steht.
Schopp hat dieses Lebensgefühl allein durch sein Objektiv gefiltert und durch einen glasklaren Blick auf den Schleier grauer Alltäglichkeit.
Sein Material entdeckte er in den skurrilen Begegnungen, die nur der Alltag liefert. Er fokussierte das Stadtleben und las in einem Mikrokosmos, der sich in Mauerinschriften und abgelegenen Winkeln eingebrannt und verewigt hat. Die Bildmotive stellen sich selbst dar, ohne Beeinflussung durch Inszenierungen oder künstliches Licht.
Wie ein Spaziergang durch das Berlin dieser Jahre, dokumentieren die Fotografien Spuren eines typischen, zeitbedingten Lebensgefühls und gehen doch in ihrem exemplarischen Charakter weit über die Grenzen hinaus.

Schopp verzichtete weitestgehend auf Farbe - eine Serie mit eisenchloridbearbeiteten Schwarz-Weiß-Fotografien wird in einer Folgeausstellung zu einem späteren Zeitpunkt präsentiert.
Im Aufspüren seiner Bildmotive und in der Auswahl des Bildausschnitts verändert er die Wahrnehmungskonstanten des Betrachters. Keine Collagen, keine Tricks mit der Kamera oder im Labor und keine Bildbearbeitung via Computer.
Sein kompositorisches Mittel war die Beobachtung des Zufalls, dem er in seinen Fotografien die permanente Gegenwärtigkeit von Leben und Tod und die Ambivalenz des menschlichen Seins abgewann.
In seinen Motiverkundungen finden sich Strukturen an Hauswänden oder Türen, die er in den Aufnahmen bis zur Haptizität und einer scheinbaren Dreidimensionalität steigert: Man glaubt in die Fetzen abgerissener Plakatschichten hineingreifen zu können. Demgegenüber stehen Fotografien, deren Formspiel unprätentiös und in einem Licht von gleißender Neutralität, mit subtiler Ironie gesellschaftliche Mißstände thematisiert.

Die formale Gestaltung der Arbeiten transportiert immer auch Sinn und Sinnlichkeit und der öffentliche Raum wird zu einer Projektionsfläche der Erinnerung. Der schroff realistische Blick des Fotografen auf die kunstlose Wirklichkeit und latente Brutalität des alltäglichen Lebens wird zum emphatischen, erschütternden Plädoyer für die Menschlichkeit.

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