URSULA GOEB - FERENC JADI - VOLKER SIEBEN
ZEICHNUNGEN
Ausstellung: 28. Oktober bis 9. Dezember 2006
Im Zentrum dieser Ausstellung steht die Zeichnung als unmittelbare Ausdrucksform, als direkter Weg vom Denken und Fühlen zum Handeln. Die Auswahl der drei Künstler unterstreicht diesen Gedanken, denn bei aller Unterschiedlichkeit ist ihnen ein Aspekt gemein: das Neben- und Miteinander von bewusster Gestaltung und zufälliger Gestalt, wo das aleatorische Moment bisweilen den Stift, die Hand oder die Schere führt.
Ursula Goeb hat als Fotografin und Zeichnerin über ein Jahrzehnt zoologische Studien begleitet. Diese Erfahrungen fließen in ihre Motivwelt ein und wirken in formalen wie auch stilistischen Elementen weiter. Es wimmelt von Kerb- und Kriechtieren, von Zweiflüglern oder Vierfüßlern. Dabei zielt Ursula Goeb weniger auf das Kafkaeske dieser Kreaturen, sondern vielmehr auf deren Organisationsformen, aus denen sie geschickte Fährten zu neuen Bildräumen legt: pastose Spachteltechnik trifft da auf marmorartige Transparenz und das Material selbst wird zum Bedeutungsträger.
Ferenc Jadis Zeichnungen und Scherenschnitte widmen sich den verschlungenen Pfaden der menschlichen Existenz. Die Figuren sind zwar erkennbar - dechiffrierbar sind sie nicht. Ein rätselhaftes Geflecht ungestümer Lineaturen oder vervielfachter Gliedmaße legt sich um diese Körper, aus dem noch geheimnisvollere Begegnungen entstehen. Ob sie sich in Zuneigung oder im Kampf vereinen, verkeilen und verschlingen bleibt in der Schwebe. Die bisweilen tänzerisch dann wiederum monolithisch anmutenden Formationen lassen die Grenzen zwischen Innerem und Äußerem durchlässig.
Volker Sieben bewegt sich in einem Zwischenreich. Wie Gedankensplitter treffen kuriose Gestalten und Worte in seinen lyrisch dichten Blättern und Collagen aufeinander. Einem Traum, einem Zustand bewusster Naivität entsprungen, mag sich hier glücklich schätzen, wer "Hinreichend Bäume wie Arme" in den Himmel recken kann oder einen "Chazz" hat. Scheinbar Unzusammenhängendes, Wortfetzen, deren Sinn ganz leicht verrückt ist und eine Perspektive, die stets fröhlich aus dem Lot gerät, stiften neue, höchst anregende Beziehungen des Sehens und des Denkens.
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