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URSULA GOEB - FERENC JADI - VOLKER SIEBEN
ZEICHNUNGEN
Ausstellung: 28. Oktober bis 9. Dezember 2006


Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Ursula Goeb, Ferenc Jadi und Volker Sieben präsentieren wir drei Künstler, die innerhalb der Gattung Zeichnung eine dezidiert subjektive Position vertreten. Die Bildfindungen und Erfindungen dieser individuellen Ansätze zielen jedoch nicht auf einen rein persönlichen Ansatz, sondern bewahren stets eine große Offenheit der Zeichen. Der Zufall, der die subjektive Gestaltung scheinbar konterkariert, sie bisweilen aufzuheben scheint, wirkt als unberechenbares aber dennoch strukturierendes Element erweiternd und bereichernd. In diesem Spannungs-feld werden die Zeichnungen von Goeb, Jadi und Sieben als Realisierung und Materialisierung von Gedanken lesbar.

Insekt oder Tierwanderung, Fühler oder Metamorphose - Ursula Goeb deutet mit den Bezeichnungen ihrer Serien die Richtung der Motivwelt an. Doch weder die reine Naturstudie noch die Konnotationen kafkaesker Abgründe und Verwandlungen stehen im Vordergrund. Vielmehr führt Goeb unser Auge an die Erdoberfläche und die Organisationsformen ihrer Bewohner, aus denen die Künstlerin neue Bildräume entwirft. Mal türmen Farbschichten sich wie krustige Erdklumpen, mal verspinnen sie sich zu haptisch dichten Kokons. Dann wiederum ist die tektonische Beschaffenheit jeglicher Materialität enthoben: in den Graphitzeichnungen visualisiert sie sich in überaus delikaten Lineaturen, bei denen der Zeichenstift über das plane Papier wandert wie über eine Frottage.

Auch bei Ferenc Jadi ist die Zeichnung nicht skizzenhaftes Abbild, sondern dem Disegno verhaftet, das immer die gestalterische Formgebung und den Denkprozess zugleich impliziert. Die Figuren des 1952 in Ungarn geborenen Künstlers, Autors und Mediziners treffen mit raschen Gesten auf das Blatt; verknoten und verknäulen sich im Bleistiftstrich zu eigenwilligen Konglomeraten. Daneben eröffnen die Körper imaginäre Räume als Scherenschnitte oder auf mit Reisstärke getränktem Stoff, der das Blatt wie eine zweite Haut überzieht. Die Erinnerung an die Haut - das größte Organ des Menschen - die diese Figuren umgibt, lassen die Bild- und Körperräume, mithin die Zeichnungen selbst als durchlässige Membran für den permanenten Austausch von Innen- und Außenwelt entstehen.

Während Goeb und Jadi ihre Zeichnungen unbetitelt lassen, versieht Volker Sieben seine Blätter mit hintersinnigen Titeln und Wortspielereien, die meist den Zeichnungen eingeschrieben sind, quasi aus ihnen herauswachsen. In diesem Neben- und Miteinander von sprachlichen und bildnerischen Zeichen folgt die Strukturierung der Fläche einem Automatismus, der keinem Illusionismus, nicht einmal dem Anti-Illusionismus frönt, sondern scheinbar naiv und immer rebellisch eine eigene Welt behauptet. Kryptische Wortfetzen und Figurendetails schweben über Landschaften oder in nicht näher definierten Räumen. Scheinbar sinn- und zusammenhanglos entzünden diese lyrischen Notate und hybriden Zeichen beim Betrachter ebenso kapriziöse wie Sinn stiftende Gedankenschlüsse.

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