Klaus Fußmann  ·  Walther Grunwald

Keramiken und Holzbrand-Keramiken

Ausstellung 5. Dezember 2020 bis 23. Januar 2021

Sonderöffungszeiten: Sonnabend, den 5. Dezember 2020, von 15-18 Uhr und Sonntag, den 6. Dezember 2020, von 12-16 Uhr

Aufgrund der Covid-19-Situation, bitten wir um Anmeldung (mit Nennung eines Zeitfensters) und Beachtung der Schutzmaßnahmen.

Abb. li. Klaus Fußmann | ANEMONEN, ROSENSTRAUSS | 2013 | Keramik, Vase | H: 20 cm / Abb. re. Walther Grunwald | Blauer Horizont | Holzbrand-Keramik (geschwungen, ohne Fuß) | H. 17,5 x B. 28 x T. 0,9 cm

Neue Sinnlichkeit – material turn

Keramische Objekte von Klaus Fußmann und Walther Grunwald

Von Miriam Bers

Je digitaler die Zeit, desto größer werden das Bedürfnis nach Unmittelbarkeit und die Hinwendung zu taktilen Erfahrungen. Längst spiegelt sich dieses Phänomen auch in den Künsten wider. So ist das Interesse am Experimentieren mit Materialien und Techniken sowie an (kunst-)handwerklichen Verfahren auffällig gewachsen.

Klaus Fußmann | Abb. li.: ANEMONEN, ROSENSTRAUSS | 2013 | Keramik, Vase | H: 20 cm / Abb. re. 1: DREI FRAUEN | 2011 | Keramik, Krug | H. 23,5 cm / Abb. re. 2: ZWERG UNTER BLUMEN | 2012 | Keramik, Krug | H. 26 cm

Der vor allem für sein malerisches und graphisches Oeuvre bekannte Künstler Klaus Fußmann(*1938) widmet sich bereits seit 2007 auch der Keramik. Während die Entwürfe für die Motive der Vasen oder Teller in der warmen Jahreszeit in seinem Atelier an der Ostsee entstehen, nutzt er die Berliner Winter, um die Gefäße zu bemalen und zu brennen. Priorisiert sind auch hier die klassischen Themen, die man von seinen Gemälden kennt: mitunter mythologische Sujets, oft aber Landschaften, Seestücke oder Blumenstillleben, inspiriert von der bäuerlichen Umgebung und dem Garten in seiner Wahlheimat am Meer.

Dem Künstler bietet dieses neue Format die Möglichkeit, seine Malerei in einem anderen Medium fortzusetzen. Den handwerklichen Part, das Modellieren der keramischen Objekte, überlässt er einer professionellen Töpferin.Sobald die Form präpariert ist, tritt der Maler selbst in Aktion.

Anders als beim flachen Tafelbild bearbeitet er hier konkave und konvexe Flächen, die mehrdimensionale Perspektiven eröffnen. Gleichsam erweitert die von ihm favorisierte Glasurtechnik sein malerisches Farbspektrum. Das hiermit erzielte leuchtende Kolorit setzt eine meisterliche Kenntnis des Umgangs mit Glasurfarben und der dazugehörigen Brenntechniken voraus.

Nicht zufällig sind seine keramischen Artefakte auch als Gebrauchsobjekte konzipiert. Sie bieten dem Rezipienten neben der haptischen Komponente auch eine ästhetische. Denn das Schöne versteht Klaus Fußmann durchaus als künstlerisches Statement gegen die Gewalt und Ungerechtigkeit in der Welt.

Walther Grunwald | SERPENT | Holzbrand-Keramik | H. 6,2 x B. 19,5 x T. 6,5 cm

Indes entdeckte der im selben Jahr geborene Architekt, Denkmalexperte und Fotograf Walther Grunwald seine Leidenschaft für die Materie Ton zunächst in restauratorischen Kontexten von Baudekorationen. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Medium während eines seiner Bauprojekte in den achtziger Jahren veranlasste ihn schließlich, mit dem Herstellen keramischer Platten zu experimentieren. Heute ist sein Repertoire um ein Vielfaches an Formen erweitert: Vasen, Kästen oder Türme, die insbesondere architektonische Grundtypen widerspiegeln.

Grunwalds schöpferisches und interdisziplinär ausgelegtes Werk findet seine Vorväter durchaus im experimentellen Geist der Bauhaus-Künstler. Jedoch spielen das Serielle oder der Gebrauchswert der Keramiken für ihn keine Rolle. Jede Variation eines Themas bleibt ein Unikat.

Sein großes Interesse und seine jahrelange Auseinandersetzung mit Brenngut gelten dementsprechend der Materialbeschaffenheit und den Oberflächen keramischer Formen. Mit speziellen, äußert komplexen Brennverfahren wie dem Holzbrand oder aber Kratztechniken schafft der Architekt und Künstler eine in Form und Farbe zwar reduzierte, dafür aber sehr materielle und sinnliche Objektwelt, die zugleich archaisch und metaphysisch erscheint.

Eben diese Spuren, die Grunwald hinterlässt und die Materialität seiner Arbeiten, machen sein Werk so aktuell. So steht das Materielle im Vordergrund, leugnet aber nicht die immaterielle Spiegelfunktion, die es als Träger kultureller Bedeutungsgehalte innehält.

Aktuelles und Vorschau

Unsere nächste Ausstellung:

REINHARD DICKEL

Malerei

Februar/März 2021

Glückwunsch an BETINA KUNTZSCH !

Aus 110 eingereichten Beiträgen wurde ihr Entwurf für den Wettbewerb „Künstlerische Kommentierung des Ernst-Thälmann-Denkmals“ ausgewählt. VOM SOCKEL DENKEN soll bis Ende 2021 realisiert werden, eine Ausstellung mit allen Wettbewerbsbeiträgen ist noch für dieses Jahr geplant.

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Aus der Beurteilung des Preisgerichts: “Der individuell-assoziative und alltagsgeschichtliche Zugang zu den Themen überzeugt formal und inhaltlich. Die künstlerisch-filmische Durchdringung der Themen beinhaltet wesentliche Elemente der erwarteten Auseinandersetzung mit dem historischen Gegenstand, dem Park, dem Wohngebiet, dem Denkmal und den zeitgeschichtlichen Hintergründen.“ Weitere Informationen hier