Evelyn Garden ist Malerin mit Leib und Seele und nicht minder enthusiastisch Lyrikerin. Aus diesen zwei Begabungen speist sich ihr Werk, verwebt sich ein kraftvoll, lebhafter Duktus mit zarten Wortgespinsten. Mal im übertragenen Sinne, dann wiederum ganz konkret. Titel wie „Es ist ein Mund im Feuer“ oder „Rätselhafte Antwort ungestellter Fragen“ unterstreichen oder erweitern die Farbstrukturen. Bisweilen halten collageartige Elemente – Worte und Schriftfetzen, Fotodetails und Papierschnipsel -, Einzug in ihre Bilder.

Zwischen diesen Polen entfaltet die in Berlin geborene Künstlerin eine Malerei, deren expressiver Gestus ganz im Banne der Farben und ihrer körperlichen Präsenz steht. Mit Leib und Seele eben. Wobei die Physis der Künstlerin, ihr lustvoller Umgang mit dem Material Farbe in jeder Farbschüttung, in jedem Spachtelzug oder in den direkten Spuren der Hände spürbar wird. Die Dynamik des Malakts überträgt sich gleichsam auf den Betrachter als unmittelbarer Eindruck von Spontaneität. Dabei beweist Evelyn Garden auch im spontanen Auftrag ihr außergewöhnliches Farbempfinden, das bis in die großen Formate stets zu einer sicheren, pointierten Gestaltung findet.

In ihrer Malerei wie in ihrer Lyrik bedient sich Evelyn Garden der surrealistischen Praxis der Écriture automatique. Doch entstehen daraus keine surrealen Bildwelten. Vielmehr schöpft sie Stimmungen, die zwischen einer vorbewussten Warhnehmung und dem Realen changieren. In denen sich aus Farbrhythmen allmählich Schichten der Wirklichkeit herauskristallisieren. Ein See oder Blumen, ein Berg oder die Wasserfälle von Arroscia, ein Regenspaziergang oder das Wogen der Meere. Abstrakte Formationen – der Natur abgelauscht oder den essentiellen Dingen des alltäglichen Daseins. Der Melancholie, der Freude oder Trauer oder einem Sommernachmittag unter dem Apfelbaum.

Von der Einsiedelei des künstlerischen Schaffens – gleich ob malend, zeichnend oder schreibend – führen Evelyn Gardens energievolle Farb-Passagen von den Ateliers der Künstlerin in Berlin und Ligurien bis in ferne Länder oder an die Gestade des nächtlichen Traums. Entfalten vielschichtige Passagen der Erinnerung.

Evelyn Garden, geboren in Berlin, lebt und arbeitet in Berlin und Ligurien.

Einzelausstellungen (Auswahl)

2015 „Circles“, Studio Ranzo, Imperia, Italien (Katalog)
2013 “Farb- und andere Ströme”, Galerie Mönch, Berlin (Katalog)
2009 „Summer Passage“, Doris-Rüstig-Ladewig-Stiftung, Schleswig
2007 „Malerei + Skulpturen“ (mit Ruth Gindhart), Remise Degewo, Berlin
2006 „no shores“, Galerie Mönch, Berlin (Katalog)
„no shores“, Galerie Kunst+, Wetzlar
2005 „Geheimer Garten“, Kirche am Tempelhofer Feld, Berlin
„Ströme  Risse  Resonanzen“, Galerie Schwartzsche Villa, Berlin (Katalog)
2001 “love, death + flowers”, Colt-Telecom, Berlin (Katalog)
“Neue Bilder”, Galerie Mönch, Berlin
1999 „Stanza della memoria“, Galerie Mönch, Berlin (Katalog)
1998 „Licht- und Schattenlinien – Assoziationen zu Rose Ausländer“, Deutsche Oper, Düsseldorf
„paintings + poems“, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin