Brigitte und Martin Matschinky-Denninghoff | QUELLE | 1988 | Messing und Zinn | 50 x 47 x 33 cm | WV Nr: 606 | Galerie Moench Berlin

Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff

Brigitte Matschinsky-Denninghoff (*1923 | †2011) und Martin Matschinsky (*1921) haben mit ihren Skulpturen aus Rohrbündeln ab Mitte der 1960er-Jahre eine einzigartige Qualität in der Bildhauerei des 20. Jahrhunderts hervorgebracht: raue, technische Materialität trifft hier ganz selbstverständlich auf das Schöne. Die Technik, mit der Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff dem Stahlrohr als künstlerischem Element eine unverwechselbare Ausdrucksform verliehen haben, begründet ihren weltweiten Ruhm, und die 1987 entstandene Skulptur BERLIN, auf der Tauentzienstraße, wurde zum Wahrzeichen der geteilten Stadt und des wiedervereinigten Deutschlands.
Gegen Ende der 1990er-Jahre nimmt das Œuvre eine neue Wendung. Freie Linien transformieren das Informel der 1950er-Jahre in die zeitgenössische Skulptur. Die Stäbe sind nicht mehr gebündelt, sondern stehen einzeln und zeichenhaft im Raum. Geballte Raumlinien, voller Energie und zugleich faszinierend immateriell.

Ruth Gindhart | I/2006 | Skulptur: Stahl und Acryl | 75 x 33 x 63 cm | Galerie Moench Berlin

Ruth Gindhart

Bevor die Skulpturen von Ruth Gindhart einen Kontext annehmen können, bilden sie sich wie ein Satz aus Subjekt und Objekt, welche durch ein Verbum verbunden sind. Das stets unsichtbare, nur strukturell fungierende skulpturale Verbum steht anders als in gesprochenen Sprachen immer zugleich in beiden Modi, dem des Aktivs und des Passivs. Es ist das gleichzeitige Halten und Gehaltenwerden, ein bedingungsloses aufeinander Angewiesen sein und doch getrennt Bleiben. Die Verbindung der Bauteile (Stahl und Holz) durch Stecken und Einschieben verleiht der Skulptur in all ihrer Fragilität zugleich Stabilität.

Reiner Maehrlein | INTERCALE III | 2010 | Corten-Stahl und Granit | Galerie Moench Berlin

Reiner Mährlein

Reiner Mährlein experimentiert in seinen Skulpturen mit der Kontrapunktik von Fläche und Raum sowie mit der Material-Durchdringung von Eisen, Granit und Papier. Den Generalbass spielt das Eisen, mitsamt seinen korrodierenden Eigenschaften. In eigens entwickelten Techniken, transformiert der 1959 geborene Bildhauer die Qualitäten des Mediums wie auch der Trägerstoffe und legt im Zusammenspiel von Gestaltung und Zufall kadenzartige Spuren zu neuen Lesarten von Bildhauerei.

Ellen Auerbach | SCHWEFELBAD, CALIFORNIA 1949 | Schwarzweissfotografie auf Kodak-Polycontrast-Papier | Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 2017 | Galerie Moench Berlin

Ellen Auerbach

Ellen Auerbach studierte zunächst Bildhauerei und ging 1929 nach Berlin zu Walter Peterhans, bei dem sie das photographische Sehen lernte. Als Peterhans dem Ruf ans Bauhaus folgte, gründete Ellen Auerbach gemeinsam mit Grete Stern das legendäre Fotostudio ringl + pit. Das Duo experimentiert im Stil des Neuen Sehens. Als sie 1933 mit einer Fotografie für die Firma Komol den ersten Preis bei der Exposition Internationale de la Photographie et du Cinema in Brüssel gewinnen, sind die Nazis bereits an der Macht. Grete Stern flieht nach London, Ellen Auerbach über Palästina und London nach New York, wo sie bis zu ihrem Tod im Jahr 2004 lebt. Die Erfahrung der Emigration veränderte Auerbachs Stil von der Neuen Sachlichkeit zu ihren individualistischen Momentfotografien.

Friedrich Gobbesso WONDERFUL DISASTERS | Explosion Nr. 12 | 2013 | Fotogramm auf Barytpapier auf Aludibond | 87 x 70 cm | Galerie Moench Berlin

Friedrich Gobbesso

Der 1980 geborene Berliner Bildhauer und Fotograf Friedrich Gobbesso forscht nach dem Abschluss des Studiums an der Kunsthochschule Weißensee in analogen Versuchsanordnungen an den Wurzeln der Fotografie. Gobbessos schwarzweiße Fotogramme auf Barytpapier, verweisen sichtlich auf den petrochemischen Ursprung der abstrakten Motive. Unter Feuer geschmolzene Plastikplättchen („Fantastic Plastic“) werden zu rätselhaften Universen, während die Serie „Kaustik“ Schallwellen zu Lichtwellen verwandelt. Ein einziger Ton versetzt Wasser in Schwingungen. Das Wasser selbst fungiert als Objektiv. Je höher der Ton, desto zarter die Zeichnung.

Walther Grunwald | ohne Titel 1 (aus der Serie AM RANDE DER STILLE) | 2004-2008 | Schwarzweissfotografie auf Barytpapier | Galerie Moench Berlin | 3. Europaeischer Monat der Fotografie Berlin

Walther Grunwald

Seit Mitte der 1960er-Jahre arbeitet Walther Grunwald als Architekt und Fotograf in Personalunion. Fotografische Reportagen entstanden u.a. für die Zeitung East Manhattan, für das Archiv für Kunst und Geschichte sowie für den Ullstein Bilderdienst. Zu Walther Grunwalds architektonischen Projekten gehören u.a. die Restaurierung historischer Denkmäler wie Schloss Neudrossenfeld oder der Anna Amalia Bibliothek.

Franticek Klossner | ANGELUS NOVUS NACH PAUL KLEE | Zeichnung aus der Werkreihe: Kunstgeschichte kitzelt | 2015 | Kugelschreiber auf Simon, Fotografie, Auflage 5 Exemplare | 70 x 100 cm | Galerie Moench Berlin

Franticek Klossner

Das Menschenbild der Gegenwart steht im Zentrum der künstlerischen Arbeit von Franti?ek Klossner. In Videoinstallationen und performativen Skulpturen wie auch in seinem zeichnerischen Werk, fungiert der menschliche Körper als Repräsentant für die Prozesse psychischer Individuation und sozialer Interdependenzen. Klossner gelingt es, über poetische Bilder politische Themen zu verhandeln. Die frappante Ästhetik seiner Bildwelten involviert das Publikum in einen sehr direkten Dialog. Die Vehemenz der Körperlichkeit wird von einer äußerst sinnlichen Materialität getragen. In geradezu listiger Weise verführen seine Werke das Publikum zur Hinterfragung innerer Bilder. (Manuel Rodriguez, 2015)

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Betina Kuntzsch

BETINA KUNTZSCH erlangte 1988 als erste Studentin der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst ihr Diplom mit einer Video-Arbeit. Seither hat die 1963 in Berlin geborene Künstlerin das Medium um ihre ganz eigenen, komplexen Video-Zeichnungen erweitert. Kuntzsch geht es um den Materialwiderstand, um Überlagerungen und Artefakte, die sie mit ihrem untrüglichen Blick auf die Wirklichkeit zu hintersinniger und humorvoller Zeichenhaftigkeit transformiert. Animierte Linien oder Found footage pendeln zwischen Stabilität und Zerfall, zwischen Parallelität und Chaos. Zuletzt feierte ihr animierter Kurzfilm „Wegzaubern“ (preisgekrönt u.a. Goldene Taube, DOK Leipzig 2015) internationale Erfolge auf Filmfestivals von Wien bis Melbourne.

Ulrike Lauber | DOCUMENTA | 2007 | C-Print auf Aludibond | 50 x 50 cm | Galerie Moench Berlin

Ulrike Lauber

Ulrike Lauber verwandelt in ihren Fotografien die Ding-Welt des Alltäglichen in abstrakte Strukturen geschichteter Zeit. Details eines Augenblicks, weder im Labor noch digital nachbearbeitet. Ihre materialimmanenten Veränderungsprozesse werden durch den Blick der Fotografin von einer dokumentierenden Fotografie zu einer Migration der Form überführt. Das Fremde wird vertraut. Das Vertraute wird fremd.

Victorine Mueller | GATE C | 2003 | Fotografie hinter Plexiglas | 80 x 80 cm | Foto: David Aebi | Galerie Moench Berlin

Victorine Müller

Mit ihren Performances aber ebenso mit ihren performativen Installationen, Objekten und Fotografien verkörpert Victorine Müller den Begriff der Living Installation aufs Trefflichste. Die archetypischen Bilder der Schweizer Künstlerin lenken die Konzentration auf den Augenblick. Von dort aus gehen Victorine Müllers Arbeiten mit der Phantasie des Betrachters auf eine Reise, in der das Vorher und Nachher, in der die Vergangenheit und die Zukunft stets mitschwingen.
Der Körper als Poesie-Erreger steht im Zentrum ihres Werks und Victorine Müller verwandelt das Phyisische in energiegeladene Bilder oder in fremdartige Wesen aus transparentem PVC von faszinierender Schönheit. Zugleich führt sie den Körper, und nicht zuletzt auch die Wahrnehmung des Betrachters, in Grenzsituationen.

Rainer Maria Schopp | DESSAU | 1990 | Schwarzweissfotografie, Vintageprint | 35,5 x 30,5 cm | Galerie Moench Berlin

Rainer Maria Schopp

Mit eigenwilliger Poesie und dokumentarischer Klarheit fokussieren die Schwarzweißfotografien von Rainer Maria Schopp (*1950 | †1997) urbane Räume -, allen voran das geteilte Berlin der 1980er-Jahre und die Umbruchsituation der Nachwendezeit. Präzise beobachtete Spuren des Alltäglichen oder scheinbar zufällige Details, in denen sich der öffentliche Raum als Projektionsfläche der Erinnerung spiegelt. Rainer Maria Schopps Fotografien rücken das Beiläufige ins Zentrum und sensibilisieren uns für die verletzlichen Schichten hinter den schroffen Fassaden: der Stadt ebenso wie der Menschen. In den Randzonen der Wirklichkeit entdeckte der Berliner Fotograf den Bodensatz des Urbanen und des Wandels.